Intro

Zur Geschichte des Textes:

die Redaktion der „Materialien für einen neuen Antiimperialismus“ hatte schon Anfang der 90er eine lange Diskussion geführt, warum die Sowjetunion in den Jahren 1989 bis 1991 ihr Ende fand. Dabei hatten wir hauptsächlich auf die Kämpfe und Widerstandsformen der Bevölkerung  in ihrer Kontinuität abgestellt, weniger auf die außenpolitische Seite des sog. Tot-Rüstens. In dem damaligen Buch war eine Einleitung von Detlef Hartmann zur Russischen Revolution enthalten. Sie steht online zur Verfügung, der Rest aus dem Buch allerdings noch nicht. Das wollen wir nachholen, weil es schade wäre, wenn diese einmalige Analyse zum Untergang der SU vergessen würde.

Der Text von 1992 hatte die Grundkoordinaten des hier vorgelegten Textes ausgebreitet, aber ohne Details. Er war nicht gerade leicht verdaulich.  Aber die Abgrenzung von der Diktatur in der SU und den Ursprüngen bei den Bolschewiki kam schon aus dem radikalen Flügel der APO, der den Parteigründungs-Marxismus-Leninismus ablehnte. In solchen Diskussionen Anfang der 70er Jahre entstand eine sehr wichtige Analyse zu „Taylor in Russland“, die in unserer Vorgängerzeitschrift, der AUTONOMIE (alte Folge) 1975 veröffentlicht wurde. Wir hatten uns später, das sei nicht ausgelassen, noch einmal an Hand des Iran ausführlich mit einer Sozialrevolution beschäftigt, die vom Lande her in die Metropole Teheran vorstieß. Nicht unsere damaligen Fehleinschätzungen zu den Volksmudjaheddin sind für heute wichtig, – über die Irrtümer müssen wir reden – , sondern die Analyse des Modernisierungsangriffes durch die „weiße Revolution“ des Schahs von Persien, die einige Gemeinsamkeiten mit der Beseitigung des Bauerntums unter Stalin hatte. Sie stand in dem Startheft der AUTONOMIE (Neue Folge) im Jahr 1979.

Detlef Hartmann wird in Bälde einen neuen Text veröffentlichen, in dem die russische Revolution im Zusammenhang einer neuen historischen Gesamtschau ebenfalls zur Sprache kommt:
Detlef Hartmann, Innovative Barbarei gegen soziale Revolution. Kapitalismus und Massengewalt im 20. Jahrhundert, Krisen – Kämpfe – Kriege, Band 2

Der Autor des hier publizierten Textes hat ihn in der Redaktion der Materialien vorgestellt, aber die Einschätzungen allein zu verantworten.

Ihr werdet viele Informationen finden, die nur in englischen Texten aufgearbeitet sind und auf deutsch gar nicht zu bekommen sind. Das ist eine wesentliche Funktion dieser „Materialien“, auf sozialhistorisches Material für eine politische Bewertung 100 Jahre nach der „Großen Sozialistischen Okoberrevolution“ aufmerksam zu machen. Inhaltlich gibt es eine Reihe von Punkten, die ihr gleich in den Thesen lesen könnt. Jedenfalls denken wir, dass die eigentliche Sozialrevolution in Russland von Zielen getragen war, mit denen wir heute nach 100 Jahren solidarisch sind. Die Probleme von damals sind nicht gelöst, sondern haben sich potenziert und verschärft.

Unser Schlusssatz lautet: „Kommunismus wurde zu einer Worthülse, einem Begriff, der durch die praktizierte und bis heute in der Linken oft noch verdrängte Gewaltgeschichte völlig entwertet ist. “ Also denken wir, dass noch nicht alles gesagt ist, was  zum Verständnis der damaligen Weggabelung nötig ist.

Uns liegt viel daran, mit jüngeren Menschen, die nicht mit den politischen Diskussionen  der 70er oder 80er Jahre aufgewachsen sind, ins Gespräch zu kommen. Statt die Kommentarfunktion für die Diskussion hinzufügen, bitten wir darum, Texte an die Mailadresse (s. u.) zu schicken.  Beiträge werden dann ggf. hier unter  http://materialien1917.org/diskussion/   veröffentlicht.

Da der Text  länger geworden ist, als wir dachten, überlegen wir, ihn auch gedruckt herauszugeben.

Ihr könnt den Gesamttext einfach runterladen, ausdrucken und in Ruhe lesen.

hier  Materialien zur Russischen Revolution 1912- 1918

oder online lesen, wofür wir diese Seite ja gemacht haben.

Hier ist das Inhaltsverzeichnis.

Vorläufig könnt ihr Kommentare an diese E-Mail-Adresse schicken:

info at materialien.org 

Peter Boman