11. Die Bewegung des Sackmenschentums („Meschotschnitschestwo“)

Der Wechsel der städtischen Bewegungen von der politischen Mobilisierung in die Versorgungsmigration.

Auf dem Gebiet der Lebensmittelversorgung hatte sich in den Metropolen Petrograd und Moskau und allen anderen Städten nach dem Machtwechsel nicht nur nichts zum Besseren verändert, sondern sogar rapide verschlechtert. Da diese Katastrophe die Kernforderung der revolutionären Bewegung nach „Brot“ betraf, hing alles, die Gesamtaufstellung nach 1917 von der Lebensmittelversorgung ab und bildete den Schauplatz des neuen Klassenkampfs zwischen Massen und Regime. Lenin und weitere Parteiintellektuelle waren Beobachter und Anhänger deutscher Organisationskünste, was u.a. erklärt, warum sie die Superzentralisierung nach dem deutschen Vorbild unbedingt übernehmen wollten.

Den Informationstransfer über die Funktionsweise der deutschen kriegsökonomischen Zentralisierung organisierte vor allem der Theoretiker Larin, der als Vater des Kriegskommunismus gilt; das ist aber nur ein Fingerzeig auf die Richtung, die in der neuen bolschewistischen Staatsintelligentsia vorherrschte. Man konnte deutsche Zeitungen und Fachzeitschriften lesen, in denen die neuen Staatsinstrumente beschrieben wurden. Die Linken Sozialrevolutionäre kritisierten diesen Weg am Fall des staatlichen Getreidemonopols und stellten den Entwurf einer dezentralen Organisationslösung dagegen, während die Menschewiki nur wegen der rohen und unbrauchbaren Durchführung dagegen waren, und für eine effektivere und professionellere Steuerung argumentierten.1

Nur auf Grund sehr aktiver Selbstorganisation durch Konsumgenossenschaften und durch die individuelle Eigenversorgung durch Landfahrten war bislang das Schlimmste, ein noch größeres Sterben verhindert worden: Die Reaktion der städtischen Bevölkerung und der Arbeiterklasse, die ja laut marxistischer Sichtweise gerade in einem Klassenbildungsprozess befindlich war, bestand darin, sich mittels aller vorhandener „Connections“ gegen den Hunger zu schützen; neben den Konsumgenossenschaften, die die Lebensmittel organisiert und kollektiv auf dem Lande besorgten, gab es die individuelle „Hamsterfahrt“. Und als wesentliche Rettung vor dem Hunger konnte mensch selbst aufs Land übersiedeln, wenn dort Teile der Familie wohnten oder jemand ein eigenes Stück Land hatte. Das traf auf die meisten der kurz zuvor für die Rüstungsproduktion rekrutierten Neulinge zu, die mindestens die Hälfte der Arbeiterschaft in Petrograd und Moskau stellten. Sie waren das aufständischste Element der Anti-Kriegs-Bewegung 1917 gewesen, weil sie in den antistaatlichen Antikriegs-Parolen der Bolschewiki Petrograds ihre eigenen Heimkehrwünsche und Hoffnungen wiedererkannten und sich darin mit den hunderttausenden Soldaten in Petrograd einig waren. Für die, die als Facharbeiter keine Bindungen zum Dorf mehr hatten, kamen für eine Flucht auch fernere Städte in Frage, in denen ihre Qualifikationen gebraucht wurden; oder sie konnten ab 1918 in die Rote Armee gehen, wo sie Vorrang in der Versorgung bekamen. Dort wurden die vorherigen Versorgungsfahrten militarisiert; nun sollte man sich mit staatlicher Gewalt holen, wo es auf gerechtem Wege nichts zu tauschen gab.

Im Weiteren gehen wir von der These aus, dass die gegenrevolutionäre Politik des neuen Staates in der ersten Zeit darin bestand, den Hunger der Städter*innen gegen die Dörfer auszuspielen, mit den Requisitionen den offenen Raub zu rechtfertigen, den Bürgerkrieg nicht nur gegen die Weißen, sondern gegen konkurrierende linke politische Strömungen voranzutreiben und die Vorsorge der Bauern für ihren eigenen Unterhalt zu skandalisieren. Mit solcher Politik spalteten die Bolschewiki offensiv das revolutionäre Subjekt von 1917, welches sich ja gerade durch die Verschränkung und gegenseitige Übernahmen der Kampfformen zwischen Großstadt und dem flachen Land auszeichnete. Diese Spaltungspolitik war nicht notwendig, sondern eine gegenrevolutionäre Übernahme und Verschärfung der zaristischen Kriegsökonomie. Zur abfedernden Sozialpolitik der Roten Armee, die sich u.a. gegen die nach wie vor um sich greifende Desertion richtete, gehörte das Versprechen, Ehefrauen und Familien bevorzugt zu versorgen, für viele ein gewichtiges Argument zum Verbleib in der Armee.2 Diese feinen Unterschiede bei der Regulierung des Zugangs zu Lebensmitteln waren repressive Sozialtechnik, nichts, was gemeinhin mit Sozialismus assoziiert wird. Dagegen richtete sich von Anfang an der Widerstand der Bevölkerung, des sozialen, revolutionären Subjekts, zunächst mit einer neuen Welle von Selbstorganisation in der Versorgungsmigration.

 

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Zunächst seien ein paar Zahlen zur Flucht aus der städtischen Aufstandsbewegung genannt. Statt auf den Straßen zu demonstrieren oder sich in Fabrikkomitees zu organisieren, entstand eine neue Sozialbewegung riesigen Ausmaßes, eine Versorgungs-Pendel-Wanderung, die sich spätestens ab Mai 1918 mit dem staatlich-repressiven Migrationsregime auseinanderzusetzen hatte.

Zwischen Mai 1917 und 1920 fiel die Bevölkerung Petrograds von 2,5 Millionen auf 700.000, ein Schwund von zwei Dritteln der Bevölkerung. Aus Moskau wanderten zwischen Mai 1917 und April 1918 an die 300.000 Einwohner*innen aus, und anschließend bis zum Ende der Bürgerkriegs noch mal 700.000 von ursprünglich 2 Millionen. Die Hälfte aller Moskauer Bewohner waren also aus der Stadt geflohen, weggewandert oder auch vertrieben oder einberufen worden. In dieser Zeit kamen 110.000 Kinder auf die Welt, während 200.000 ältere Menschen starben, ein Sterbeüberschuss von 90.000. Also hatten mindesten 900.000 Menschen die Stadt Moskau verlassen.

Wer waren sie? Waren die Emigranten*innen die Stützen der Bewegung gewesen, die damit dem Bolschewismus verloren gingen, seine eigene Klassenbasis sozusagen? So fragt Diane Koenker, aus deren Text diese Zahlen stammen.3 Die Antwort ist nicht ganz egal, weil sie etwas mit der Schwächung der Arbeiter*innenbewegung in den Fabriken und dem Niedergang der Fabrikkomitees zu tun hat, und damit auch mit Kräften, die bestimmten Maßnahmen des Regimes etwas hätten entgegensetzen können. So jedenfalls ist die Vermutung hinter der Frage. Der Enthusiasmus von jungen Rotgardisten, den Jungarbeitern, fehlte nun, weil sie aus der Stadt weggingen und in die Roten Armee eintraten.4 Das soll eine Verschiebung bei den innerstädtischen Sozialkonflikten zugunsten der Menschewiki mit sich gebracht haben.5 Die meisten Historiker*innen sind sich allerdings einig, dass in den Streiks von 1918 die parteipolitische Orientierung an der Basis, anders als oben in den Führungsetagen, relativ nebensächlich war, wie auch schon 1917, als alle Kolleginnen und Kollegen auf Fabrikebene kooperierten, wenn es darauf ankam. Die Parteipolitik wird einerseits überschätzt, was wesentlich der Heroisierung der Bolschewiki durch die sowjetische Geschichtsschreibung geschuldet ist. Andererseits hatte der „Enthusiasmus“ der Jungarbeiter*innen für Neuerungen eine große Bedeutung, was die Bolschewiki-Spitze für ihre Politik auszunutzen wusste. Natürlich gab es ein rebellisches und revolutionäres Element bei stadterfahrenen Jungarbeiter*innen und auch Soldaten, wenn sie aufs Dorf kamen und erst mal darangehen mussten, alte Zöpfe und patriarchale Gewohnheiten abzuschaffen, – dazu gehörte, die Anwesenheit von Frauen bei den Gemeindeversammlungen einzuführen und überhaupt die politische Zustimmung zu großen staatlichen Reformprojekten in Sachen Gleichberechtigung, Bildung, Gesundheit, sozialer Aufstieg, Technik usw.6 Diese jungen Leute übernahmen jedoch in ihrer verständlichen Begeisterung für das Neue naiv die Feindbilder, die von der Propaganda massiv verbreitet wurden. Wir haben immer noch nicht genügend Studien zum sozialen Alltag oder genügend Stimmungsberichte aus der Normalbevölkerung aus der Revolutionszeit, um das „Bewusstsein“ und die Stimmung im täglichen Leben genauer beurteilen zu können.7 Die Forschung ist dabei, Sprache, Biographien und Polizeiberichte auszuwerten, um dem Wandel der Bewusstseinslagen genauer auf die Spur zu kommen. Maßgeblich für unseren Zweck hier sind soziale Fakten wie Migration oder konkrete soziale Kämpfe, die etwas aussagen. Die meisten dafür benutzten Dokumente waren bis Mitte der 1980er Jahre die überlieferten Statements der Politiker, bei denen es sich häufig um realitätsferne Formen der Selbstpropaganda handelte. Schilderungen über die Aufstände und Streiks wurden zensiert.

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Es gab die Genossenschaften, die wie erwähnt den Säcketransport kollektiv organisierten. Leider kenne ich keinen deutschsprachigen Text, der sich gründlich mit den Erscheinungen sowohl der Bewegung der Versorgung, der gesamten Migrationsbewegung in dieser Zeit sowie dem Verhalten der Eisenbahner*innen und dem Vorgehen der Blockade-Einheiten beschäftigt. In dem Buch von Orlando Figes sind die wesentlichen Fakten auf 20 Seiten gut zusammengefasst.8 Ihm ist in den Grundzügen zuzustimmen, und sein Text sei für diese Phase zur Lektüre empfohlen, allerdings mit einer Einschränkung: Figes stellt anscheinend absichtlich keinen Theorierahmen zur Verfügung und zieht sich auf eine beschreibende Rolle zurück. Er verzichtet auf die Interpretation der sozialen Zusammenstöße und bringt auch die geopolitische Rahmung nicht zur Sprache: eine Einordnung seiner eigenen Befunde über die Konzeptionen des Bolschewismus unterlässt er ebenso wie die Charakterisierung der sozialen Bewegungen als Klassenkampf gegen das neue Regime, obwohl er ab und zu die Fakten zusammenfasst wie z.B. auf S. 660: „Die Arbeiterklasse blieb ebenso militant wie im Jahr 1917, nur daß sich ihr Zorn nun gegen die Partei richtete, die in ihrem Namen herrschte“. Das ist der Klartext, von dem auch wir ausgehen.

Teil der neuen antistaatlichen Bewegung waren auch die linken Sozialrevolutionäre, sowie Anarchisten*innen und natürlich die gesamte gemäßigte Linke, die alle zusammen die weitere Sozialgeschichte antagonistisch mitbestimmten, nicht als Konterrevolutionäre, sondern nun als Beteiligte und Organisatoren*innen des neuen sozialen Protests.9 Die Bewegungen gegen das neue Regime explodierten noch einmal überregional gemeinsam am Ende des Bürgerkriegs. Sie waren so stark, dass sie sich zusammengenommen zu einer neuen sozialen diesmal anti-bolschewistischen Revolution verdichteten. Sie wurde mit den brutalsten Mitteln niedergeschlagen. Kronstadt vor den Toren Petrograds war das städtische Zentrum von landesweiten Aufständen. Am bekanntesten sind daneben die Bauernbewegungen in der Region von Tambow und Sibirien, die wiederum mit ähnlichen Bewegungen in der Ukraine und im Wolgagebiet in Zusammenhang standen.10 Dort wütete der Hunger 1922 auf Grund klimatischer Anomalien und kam den Bolschewiki zu Hilfe.

 

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Für die Versorgungsmigration sei auf das ausgezeichnete Buch von Mauricio Borrero und den etwas entlegenen Text von Robert Argenbright hingewiesen.11 Nach dem Februar hatten sich Konsumgenossenschaften gegründet, parallel zu den Arbeiter*innenmilizen und Komitees in Fabriken und Stadtteilen, als innere Seite der revolutionären Kommunen in den Städten. Alle individuellen Verbindungen aufs Land, die über die Lebensmittelnot hinweghalfen, waren nun einbezogen und stark intensiviert worden. Die selbstorganisierten Vereine hatten einen beträchtlichen Umfang, wie bei Borrero genauer zu lesen ist.12 Er beschreibt die Konsumgenossenschaften als zivilgesellschaftliche Form der Selbstorganisation da, wo der zaristische, der Zwischenstaat der prov. Reg. und der neue Staat der Bolschewiki ein Vakuum geschaffen hatten, weil sie das alte Handelsnetz per Kriegsökonomie zerschlagen hatten, aber nicht in der Lage waren, etwas entsprechendes Neues zu organisieren und an die Stelle der „alten Gesellschaft“ zu setzen. So entstand die Massenbewegung zur Selbstversorgung zwischen Stadt und Land. Der bagatellisierende Ausdruck Sackleute verkleinert die Bewegung und ist auch leicht diskriminierend, trifft aber natürlich die Form ganz bildlich.

Im April 1918 waren 80 Prozent der Moskauer Arbeiterinnen und Arbeiter in solch einer Genossenschaft Mitglied. Die Konsumgenossenschaft „Kooperatsija“ hatte ihren Start im Jahr 1915 gehabt, und im Juli 1917 schon 73.219 Mitglieder. Dann wuchs sie rasant, wie viele andere auch. Allein zwischen Juli und Dezember 1917 traten monatlich 3700 neue Mitglieder ein. Im Dezember 1918 hatte diese Genossenschaft knapp 140.000 Mitglieder. Eine andere, die „Zentrale Moskauer Arbeiter Kooperative“, die sich ausschließlich auf Arbeiter*innen beschränkte, hatte August 1918 knapp 190.000 Mitglieder. Im Juni 1917 waren es noch knapp 10.000 und im Juli 1917 immerhin schon über 57.000 gewesen.13 Diese von unten entstandene Migrationsbewegung zur Lebensmittelversorgung hatte jeweils eigene Verbindungen zu diversen Dörfern und Kleinstädten geknüpft, so dass sie die katastrophalen Bedingungen lindern konnten. Diese Aktivitäten schadeten andererseits der Wirtschaft, so wird betont, weil für die Arbeiter*innen anderes wichtiger war als am Arbeitsplatz zu erscheinen oder an politischen Versammlungen teilzunehmen. Die Abwesenheitsquote in den Betrieben lag deswegen zwischen 30% und 80%.14 Der Hunger und die Lebensmittelkrise war schon vom nötigen Zeitaufwand für die Lebensmittelbeschaffung her eine Belastung, die die Teilnahme an Politik (Fabrikkomitees, Demonstrationen etc.) unmöglich machte, weil man sich um das eigene Überleben mühevoll kümmern musste. Diese Entwicklung war ein wesentlicher Baustein dafür, dass die Bolschewiki den Rückhalt unter ihrer eigenen Basis verloren, und zwar unabhängig vom Parteienstreit. Die Lebensbedingungen waren ausschlaggebend. In häuslichen Diskussionen in der Familie, bei der die Frauen zur Ernährungsfrage das Wort führten, dürften sich die existenziellen Notwendigkeiten auch im Verhältnis zu „Politik“ durchgesetzt haben; die Diskussion um das Sattwerden und fehlende Lebensmittel brachte Kritik an allen Parteien und an der Politik mit sich; die Hoffnung auf schnelle Besserung verschwand, und damit verschwanden auch die Menschen aus der Stadt samt kämpferischer Basis, die sich im Krieg zusammengefunden hatten. Nun trat der Staat der Bolschewiki sehr bald mit Verboten und Einschränkungen auf den Plan. Überliefert ist der erste Beschluss zur Lebensmittelbewegung vom 17.2.1918, als das außerordentliche Komitee für Lebensmittelversorgung und Transportwesen unter der Leitung von Trotzki zusammentrat und eine Resolution verabschiedete, die alle gesellschaftlichen Institutionen, Sowjets, Eisenbahnkomitees und alle mit Transport befassten Organisationen anwies, dem Phänomen des selbstorganisierten Sackhandels entgegenzutreten und ihn zu bekämpfen. Es sollten sowohl „Fliegende Abteilungen“ gebildet werden wie auch stationäre Einheiten an den Eisenbahnknotenpunkten. Diese neuen Einheiten nahmen den Leuten die Nahrungsmittelvorräte, die sie bei sich trugen, ab, ebenso Waffen, die sie vielleicht als ehemalige Soldaten bei sich hatten. Es gab eine Obergrenze im Gewicht der Nahrungsmittel, ein halbes Pud (1 Pud = 16,36 Kilogramm) also ca. 9 kg waren erlaubt, der Rest wurde einkassiert. Im Falle von Widerstand drohte sofortige Haft oder auch Erschießung auf der Stelle (das war die bekannte intellektuelle Klarheit von Trotzki, hier wie an anderen Stellen). Formal sollte es dann so ablaufen, dass die beschlagnahmten Vorräte im nächstgelegenen Depot abgelegt würden und die zuständige Dienststelle des Versorgungsministeriums über dessen Bestände informiert würde. Das war im Februar 1918 der Vorlauf, bevor die massive Kampagne gegen die selbstorganisierte Lebensmittelbewegung ab Juli praktisch in Form eines Sozialkriegs der Bolschewiki gegen die eigene – ehemalige – Klassenbasis und bäuerliche Bevölkerung voll anlief. Im Mai verkündete die Regierung das Dekret über das Getreidemonopol, das die längere Vorgeschichte zur Versorgung aus dem Zarenreich aufgriff, aber nun mit großer Macht durchgesetzt werden sollte. „Lenin, einer seiner geistigen Väter, sah in ihm die strategischen Grundprinzipien der neuen staatlichen Politik verwirklicht. Drei Wochen nach der Verabschiedung hatte er öffentlich erklärt, die drei letzten Dekrete ‚über das Brot‘ verfolgten ‚drei Leitlinien‘ bzw. ‚drei Hauptlosungen‘: die ‚Zentralisierung des Versorgungswesens‘, die ‚Vereinigung des Proletariats‘ und die ‚Organisierung der Dorfarmut‘. Als Richtlinien bestimmten sie den politischen Kurs der Jahre 1918-1920, der als Kriegskommunismus bekannt ist.“15 Die Kriegserklärung an die autonome Selbstversorgung erfolgte aus prinzipiellen strategischen Erwägungen, nicht einfach der Not gehorchend.

Die Realität lief anders als sich das die Bürokratie in ihrem rigorosen top-down Plan gedacht hatte. Erstmal wurde die gesamte Selbstversorgung, die „Hamsterfahrten“ (auch im Deutschen abwertend?), also die ungeheuren Anstrengungen von Belegschaften und Familien aus der Unterschicht, die wenig Geld hatten, durchweg kriminalisiert. Der Staatsangriff auf die existenziellen Rechte zum Sattwerden und gleichzeitig auf den selbstorganisierten Ausgleich zwischen Stadt und Land verkörperte hier schon die Staatsidee des neuen sozialistischen Staates in Reinform; er schrieb die alte Zweiteilung zwischen Macht und Bevölkerung fort, die alle Menschen in Russland kannten und sich je nach Möglichkeit darüber hinwegsetzten, z.B. mit gegenläufigen Verhandlungsmechanismen von „Beziehungen“ (blat) und Korruption von Mensch zu Mensch in Realsituationen jenseits des geschriebenen Worts.

Die alt-neue Situation setzte sich in gewisser Weise sofort nach der Revolution durch. Wie Figes auch schreibt, nützten alle Repressalien nichts, weil die Bewegung so groß war und einen reinen Kampf ums Überleben führte.

Für die Behörden brach sofort ein wesentliches Element zusammen, nämlich die Trennung zwischen einer legalen und einer illegalen Form des Reisens: Wenn es sich um eine bescheidene Form handelte, bei der ersichtlich war, dass die Menge des mitgeführten Nahrungsgutes nur für private Zwecke und nicht für den Schwarzmarkt zum Weiterverkauf gedacht war, war es erlaubt; ging es um Handel mit etwas größeren Mengen, war es verboten. Allerdings gab es ein paar hundert Meter in Moskau neben der Ernährungsbehörde einen Riesenmarkt, der gleichzeitig ein Schwarzmarkt war und fröhlich trotz aller Razzien seinen Gang ging (Sucharevka).

Eindämmung durch Migrationskontrolle

Die Unterscheidungen zur legalen und illegalen Versorgungsmigration konnten in der Praxis nicht durchgeführt werden; was eine Frau (tatsächlich sehr häufig, siehe Bild) tragen konnte und wofür die Tauschmittel gereicht hatten, transportierte sie in der Masse der Reisenden. Überfüllungen aller Züge waren selbstverständlich; die Menschen saßen auf den Puffern zwischen den Waggons, auf den Dächern usw. Dem konnte das Personal der Überwachung zahlenmäßig nicht standhalten. Zur Entlastung des Personals wurde nach Gruppen selektiert; Arbeiter *innen hatten in der Stadt höhere Ansprüche auf Lebensmittelrationen wie auch zeitweilige Reiseerleichterungen, was Tickets oder die Mengen der erlaubt mitgeführten Lebensmittel betraf (Borrero, 93). Auch diese Einteilungen waren Gegenstand von Debatten und anderen Wegen der Umsetzung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es wurden die Mengen der Anzahl von Fahrten errechnet, die laut Eisenbahn technisch möglich seien und dann auf die Fahrten aufgeteilt, die den Leuten zustanden. Aus der Berechnung ergab sich allerdings, dass nur 39.000 von angeblich 224.000 Moskauer Arbeitern*innen einmal pro Monat eine Reise aufs Land zur Selbstversorgung zustand.

Womit konnte überhaupt bezahlt werden? Das Geld hatte an Wert verloren, es gab keine Metallwaren zu kaufen, also wollten die Bauern Praktisches aus der Stadt haben. „Barter“-Geschäfte, einfacher Tauschhandel war dann die Regel. Man kann sich leicht vorstellen, wie in solch einer Mangelsituation die Versorgung der neuen Bürgerkriegsarmeen zu Gewalt aller Art führte.

Ein anderer Reibungspunkt waren die Lebensmittelkarten. Wenn Menschen die Stadt verließen, um aufs Land zu ziehen, mussten sie regulär ihre Karten abgeben. Natürlich funktionierte das nicht, sondern andere übernahmen die Karten. (Borrero, 96) Was aber, wenn Leute wieder in die Stadt zurückziehen wollten, wo Arbeitskraft dringend benötigt wurde? Es gab keine einheitlichen Verfahren, sondern Stress und Konfusion. Korruption blühte auf allen Ebenen; das Wort ist allerdings unzutreffend, weil es eine Art Gabenökonomie ohne Unrechtsbewusstsein war. Wie und ob man einen Zug erreichte, hing von diversen Umständen bei der Bahnsteigkontrolle ab. Ab und zu gab es Massenaufläufe von Tausenden mit Schießereien, wenn Amtspersonen die Reisewilligen an den Bahnhofseingängen aufhalten wollten (Borrero, 97, 98). Das war eine neue Form von Lebensmittelaufstand entlang der Migrationsrouten, wie wir es heute auf andere Art kennen.

Ein weiteres Thema waren die Eisenbahner selbst, z.B. wenn sie auslaufende Züge an bestimmten Stellen sehr langsam fahren ließen und dann prompt noch mal neue Mengen von Passagieren ohne Fahrkarten wie selbstverständlich zustiegen.

Zu regionalen Unterschieden des Regimes gegen die Versorgungsmigration und auch den neuen Bewegungen sei auf den Text von Novikova verwiesen. Tanja Penter hat die Geschichte der Revolution in Odessa aufgearbeitet, wo sich beispielsweise eine Bewegung zur Versorgung der Arbeitslosen und ein eigener Sowjet dazu gebildet hatte.16

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Die „Lebensmittelbrigaden“ von Moskau-Stadt hatten eine Stärke von 8.400 Menschen, die zwischen August 1918 und Februar 1921 mit staatlichem Auftrag aufs Land geschickt wurden, um dort Lebensmittel zu besorgen. Eine andere Quelle spricht laut Borrero von über 25.000 Menschen, die in 789 Einzelabteilungen aus Moskau und der angrenzenden Provinz staatlich mobilisiert wurden. Dazu kam aber noch eine gesonderte Lebensmittelarmee des Versorgungsministeriums, die noch mehr Leute hatte. Schon vor dem Oktober beschwerten sich die Zuständigen für die Lebensmittelversorgung, dass die Eigenbewegung der Meschotschniki ihnen die staatliche Organisation erschweren würde. Ein Jahr später sprach man davon, dass die Sackleute-Bewegung die Provinz „besetzt“ habe und man ein paar tausend Bewaffnete zusätzlich brauche, um diese in die Schranken zu weisen. Wir erinnern daran, dass die gesamte Privatbeschaffung an sich nur in strengen Grenzen gestattet war. Nichts davon konnte umgesetzt werden. Weder hielten sich die staatlichen Abteilungen bei der Beschaffung an ein gewaltloses und angemessenes Vorgehen auf dem Lande, – Willkür wurde ideologisch gestützt, auch bei den Fliegenden und stationären Einheiten der Migrationskontrollen – ,noch klappte die Vorratshaltung in den Stapelhäusern für die beschlagnahmten Vorräte. Es waren zu viele Menschen, die sich selbst ihren Weg bahnten; sie waren zunächst in den besagten Konsumgenossenschaften organisiert und organisierten ihre Beziehung zu den Dörfern von den Kampfkollektiven her in einer sehr zivilen Weise. Umgekehrt ergab sich daraus der Traum der Linksradikalen und auch die Visionen eines Machno: Die Dörfer bestimmen gleichberechtigt selbst, wie und was sie mit den Städten als Kollektive zu verhandeln hätten und wie dann der gesellschaftliche Plan auszusehen hätte; ein solcher müsste von der erzeugenden Mehrheit dezentral bestimmt, zusammengetragen und diskutiert werden, demokratisch selbstverständlich und nicht durch eine gewendete Staatsbürokratie, die von Einzelheiten keine Ahnung haben konnte oder wollte, auch weil ihre Interessen woanders lagen. Diese torpedierte aber nun mit Terror im Rahmen der Bürgerkriegsfeldzüge die ausgeprägte gegenseitige Hilfsbereitschaft der alten Gesellschaft, indem sie die allgemeine Gewalt förderte bzw. ausübte, nicht nur gegen einen äußeren Feind, den deutschen Imperialismus oder Reste der weißen Eliten, sondern gegen das eigene „Volk“, die Bauernfamilien.17

Andererseits funktionierten die Eisenbahner und die staatlich losgeschickten Beschaffungsbrigaden oder Absperreinheiten nicht so wie die Planer sich das vorgestellt hatte. Sie solidarisierten sich, ließen die Leute durch und nahmen ihren Anteil für eigene Zwecke an sich, so dass die offiziellen Getreidezüge, die vollgepackt losfuhren, als leere Waggons in Moskau ankamen. Es gab Solidarität und Eigennutz, wen interessierten schon die Vorschriften, solange nicht geschossen wurde? (Borreo, 101) Fahrgeld oder Bestechungsgeld wurde in Tomaten- oder anderer Währungsart bezahlt. Bei Eiern oder Fleisch ermäßigte sich der Fahrpreis. Teilweise gab es wie an der Front Befehlsverweigerung der einfachen Soldaten oder der Beschaffungskommandos gegen ihre Vorgesetzten, ganz in revolutionärer Art wie zuvor. Die Meschotschniki wurden unsanft von den Puffern und Wagendächern entfernt – ein paar Kilometer weiter waren sie wieder an der alten Stelle. Bei der Rückfahrt nach Moskau herrschte an den Bahnlinien täglicher Kampf gegen die Filter-Kommandos und um die Plätze im Zug. Alle möglichen Tricks wurden angewendet.

 

 

 

 

Eine alte Frau weinte bitterlich, ihr doch einen Platz zu geben, sie hätte schon drei Tage im Bahnhof übernachtet; nachdem ein Passagier Platz gemacht hatte, stürmte eine Schar Jugendlicher den Zug und luden Mehlsäcke auf. – Die Methoden, die Lebensmittel im Zug oder unter der Kleidung zu verstecken, waren zahlreich. Koffer mit doppelten Böden gehörten dazu und vieles andere. Als kühnstes Beispiel wurde dokumentiert, dass eine Gruppe weinend um einen offenen Sarg mit einer Verstorbenen gruppiert war. Die Verstorbene wachte nun leider oder gottseidank auf, als ein Kontrolleur die Leiche schüttelte. Unter ihr war mindestens ein Zentner Mehl im Sarg versteckt. Unterwegs in den Versorgungsfahrten, die von Moskau aus bis nach Kursk fuhren (533 km), wurde gegessen, alles Frischwaren vom Lande, so dass die Stimmung nicht schlecht war. Zuschauer merkten an, dass die Hälfte der für Moskau bestimmten Lebensmittel so schon unterwegs aufgegessen wurde. (Borrero, 102) Doch wie an den gefürchteten Eingangskontrollen in die Großstadt vorbeikommen? Jederzeit musste gerade in den Vororten mit verschärften „Grenzkontrollen“ gerechnet werden. Die Kontrolleure waren bewaffnet und durften alles oberhalb der festgelegten Gewichte beschlagnahmen. Aber auch bei diesen scharf gemachten Kontrollen setzte sich bald ein gewohnheitsmäßiges Bestechungswesen durch, wozu die ständig geänderten Obergrenzen nicht wenig beitrugen. Damit waren der Willkür des eingesetzten Personals die Türen geöffnet. Ein anderes Problem für die Regierung war, dass weggenommen und gestohlen wurde, dass es kein Halten mehr gab. Aus den Lagern und Höfen bei den Bahnhöfen verschwanden solche Mengen an Getreide, dass es kaum einen sicheren Ort für die Vorräte gab. Die Plünderungen hatten Massencharakter, es waren keine individuellen Aktionen, sondern einfach viele Menschen, die oft mit der Unterstützung von Rote-Armee-Soldaten die Plünderungen durchführten. Die Wachleute steckten mit im Geschäft für die Schwarzmärkte. Teilweise streikten die Eisenbahn- und Ladearbeiter, um ihren Anteil am Transport-Getreide zu erhalten, weil der Lohn nichts wert war.18 An jeder Bahnstation gab es lokal unterschiedliche Aneignungsverhältnisse, die den örtlichen Bewohnern bekannt waren. Sogar die amerikanische Hungerhilfe 1921 und 1922 beklagte den Verlust von 1700 Wagenladungen, die entweder verschwanden oder als Bargeldersatz unterwegs bezahlt werden mussten. Der Bahntransport gestaltete sich so wie ein Wassertragen mit einem Loch im Eimer; man musste den Transport so schnell wie möglich abwickeln, schreibt Argenbright. (517) Auch anderes, was gegen Nahrung eingetauscht werden konnte, verschwand. In der Folge musste die Bahn Unsummen zahlen, um Ersatzteile auf dem Schwarzmarkt zurückzukaufen. Im Ergebnis machten das Regime bzw. die superzentralisierten Behörden Zugeständnisse, ohne aber vom Prinzip des staatlichen Alleinverfügungsrechts über jegliches Getreide abzurücken. Immer wieder wurden neue Teilvorschriften erlassen, die im Ergebnis ein Vorschriftendickicht produzierten, das niemand durchdringen und beachten wollte. So hielten die Kontrolleinheiten sich nicht an die Vorschriften, während die Bevölkerung ihr selbstverständliches Recht auf Unterhalt mit dem Notwendigen in Anspruch nahmen, also weiterhin alles aneigneten, wo es nur ging. Die Eisenbahner selbst nahmen schon mal als erste das Recht auf Selbstversorgung in Zeiten der Inflation in Anspruch, da sie an der Quelle saßen. Wurden Eisenbahner verhaftet, gab es eine größere Befreiungsaktion oder Streik.19 Sie machten weiter wie zuvor und stellten ihre eigene Miliz auf. Das waren keine Einzelfälle. Daraufhin beschnitt die Regierung das Recht auf Zuteilungen, und im Zusammenhang einer Debatte zur Neuregulierung kam es zu einer Streikwelle der Eisenbahner im August 1918. Aus dieser Lage wurden dann wieder Konsequenzen gezogen, so dass bei den späteren Streiks sofort versucht wurde, Nahrungsmittel bereitzustellen. Solche Streiks waren nicht selten, sollen aber laut Argenbright nicht als politische Systemkritik aufgefasst werden, sondern als Kampf für ein „Recht auf Leben“, wie er es zutreffend nennt. Nun, davon gehen wir ohnehin aus.

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Mit einer Verordnung vom 4. August 1918 sollte alles ein bisschen besser geregelt werden. Das Problem waren die Verspätungen der Züge, die nicht mehr als eine Stunde betragen sollten. Die Beamten sollten höflich sein und für alle Beschlagnahmungen Quittungen ausstellen, alle Züge sollten kontrolliert, Beschwerden an das Versorgungsministerium gerichtet werden. Das Auftreten sollte nicht zurückhaltend, sondern angesichts des zu erwartenden Schimpfens, der Widerworte und des Protestes entschlossen und energisch, sein. Auch für die Vorgesetzten galt, dass sie sich an die Richtlinien zu halten hätten, keine Übergriffe oder Diebstähle stattfinden dürften. Bei Übertretung wurde mit Verhaftung durch die Tscheka gedroht. Allerdings wurde genau dies nicht gemacht; es gab keine Bestrafung für übergriffiges und brutales Verhalten. Aus der Art der Regularien kann man schon ablesen, wie es um das rüde Verhalten in der Realität bestellt gewesen sein muss. Dass die Abteilungen im Regelfall, wo es möglich war, Beschlagnahmungen in die eigene Tasche durchführten, war sonnenklar, egal ob es sich um regulär erlaubte Mengen oder Überschreitungen durch Schwarzhändler handelte, was zu unterscheiden den „Beamten“ auch egal war. So wurde Diebstahl im Staatsdienst zum Regelfall. (Borrero, 104) Das von den Blockade-Einheiten beschlagnahmte Gut tauchte wenig überraschend auf dem Schwarzmarkt in Moskau auf, brachte nicht wenig Profit ein, landete also nicht in den dafür vorgesehenen Depots. Als die allgemeine Unzufriedenheit zunahm, wurde Ende 1918 ein Teil der Einheiten vor Moskau zurückgezogen, woanders in der Provinz ging es aber mit dem staatlichen „Filzen“ von Lebensmitteln weiter. Dann gab es noch die eigenen Einheiten des Versorgungsministerium (Narkomprod), die in der entfernteren Provinz agierten, wo die Opfer weniger Möglichkeiten zum Protest am Regierungssitz hatten. Hier traf es gerade Arbeiterfamilien, während die professionelleren Händler ungeschoren davon kamen.

Erst im Januar 1920 kam den Verantwortlichen die Einsicht, dass es mit den Übergriffen so nicht weitergehen könnte. Ein Gutachten stellte heraus, dass die Bevölkerung inzwischen grundsätzlich unzufrieden sei und die Sowjetherrschaft ablehne. Und so reihte sich im Laufe des Jahres 1920 Bericht an Bericht, über die eingerissenen Missstände und über die Requisitionseinheiten, die vor nichts halt machten, sondern alles mitnahmen, was sie bekommen konnten. Ihr Nachteil war, dass die vielen Menschen, die als Meschotschniki unterwegs waren, immer neue Wege und Formen des Widerstands erfanden, neue „Schmuggelrouten“ und Umgehungswege fanden, wo sie aus- und wo sie wieder zusteigen mussten, mit EisenbahnerInnen zusammenarbeiteten, die ihnen die Tipps gaben, so dass die Bewegung nicht wirklich einzudämmen war, stattdessen aber der Frust gegen das Regime immer weiter anstieg. Über eine der Hauptrouten, die besagte Strecke Kursk -Moskau gab es Teilabschnitte, an denen häufig in der Dunkelheit fieberhaft entladen und dann wieder zugeladen wurde. Es gab jede Menge Papiere, die staunenswerterweise auch von analphabetischen Leuten genauestens beachtet und benutzt wurden, so dass auf den stark kontrollierten Streckenabschnitten scheinbar nur berechtige Passagiere unterwegs waren, während zwei Drittel eine Umgehung benutzten. Ähnliches passierte kurz vor dem Kursker Bahnhof in Moskau, wo man natürlich vorher den Zug zu verlassen hatte.

Um den Bogen zum Anfang zu schlagen: Insgesamt hatten ja 900.000 Moskauer die Stadt verlassen. Im Laufe des Bürgerkriegs hatten die Menschen eine völlig neue Widerstandsgeographie mit zahlreichen neuen Verkehrs-, Versorgungs- und Kommunikationskanälen errichtet, die den neuen Antagonismus zur Staatsklasse ausmachte.

1Lih, 159 ff.

2Alistair S. Wright (2012): Stemming the Flow: The Red Army Anti-Desertion Campaign in Soviet Karelia (1919), Revolutionary Russia, 25:2, 141-162.

3Diane Koenker (1985): Urbanization and Deurbanization in the Russian Revolution and Civil War, in: The Journal of Modern History, Vol. 57, No. 3 (Sep., 1985), 424-450.

4Siehe die Berichte: Eduard M. Dune (1993): Notes of a Red Guard. Translated and edited by Diane P. Koenker and Stephen Anthony Smith, Urbana and Chicago: University of Illinois Press.

5Vladimir N. Brovkin (1987): The Mensheviks after October. Socialist Opposition and the Rise of the Bolshevik Dictatorship, Ithaca and London: Cornell University Press.

6Dazu z.B. Barbara Alpern-Engel; Anastasia Posadskaya-Vanderbeck (1998): A Revolution of Their Own. Voices of Women in Soviet History, Boulder, Colorado: Westview Press; Isabel Tirado (2013): The Komsomol’s Village Vanguard: Youth and Politics in the NEP Countryside, in: Russian Review 72 (July 2013), 427-46. Lynne Viola (1987): The Best Sons of the Fatherland. Workers in the Vanguard of Soviet Collectivization, New York, Oxford: Oxford University Press. Sheila Fitzpatrick (1992): The Cultural Front. Power and Culture in Revolutionary Russia, Ithaka and London: Cornell University Press.

7Wade (2016):The Revolution at One Hundred, 23, 24.

8Orlando Figes (1998): Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924, Berlin (Taschenbuch 2008), 643-663.

9Dazu die Forschung zur AVD (Allgemeine Versammlung der Delegierten) zwischen März 1918 und Juli 1918, A. Rabinowitch (2010): Die Sowjetmacht. Das erste Jahr, Essen: Mehring, 302-348.

10Martin Krispin (2010): „Für ein freies Rußland…“. Die Bauernaufstände in den Gouvernements Tambov und Tjumen 1920–1922, Heidelberg: Universitätsverlag Winter.

11Mauricio Borrero (2003): Hungry Moscow. Scarcity and Urban Society in the Russian Civil War, 1917-1921, New York etc.: Peter Lang; Robert Argenbright (1993): Bolsheviks, Baggers and Railroaders: Political Power and Social Space, 1917 -1921, in: The Russian Review, vol 52, October 1993, pp. 506-527; das russischsprachige Buch: Aleksandr Ûr’evič Davydov (2007): Mešočniki i diktatura v Rossii : 1917-1921 gg., Sankt Petersburg: Aletheia, konnte ich nicht auswerten.

12Borrero, Hungry Moscow, 43- 51.

13Borrero, Hungry Moscow, 45.

14Borrero, Hungry Moscow, 90.

15Zitat aus der Einführung zu der Internet-Dokumentation. Im weiteren folgen wichtige Bemerkungen zur Forschungsgeschichte und Interpretation, auch zu den noch viel schärferen Erstfassungen des Dekrets von Anfang Mai. Leider fehlt im Text die Herkunft und die Übereinstimmung des kommunistischen mit dem deutschen kriegsökonomischen Modell: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0012_kom&st=GETREIDE&l=de

16Liudmila Novikova (2015): The Russian Revolution from a Provincial Perspective, in: Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History, Volume 16, Number 4, Fall 2015 (New Series) pp. 769-785. Tanja Penter (2000): Odessa 1917. Revolution an der Peripherie, Köln: Böhlau Verlag.

17Eindrucksvoll und grundlegend: Vladimir N. Brovkin (1994): Behind the Front Lines of the Civil War: Political Parties and Social Movements in Russia, 1918-1922, Princeton University Press.

18Argenbright, 517.

19Argenbright, 519.