7. Bauernrevolution

7.1. Befehl Nr. 1 in der Februarrevolution

In Petrograd setzten Anfang März die Delegierten der Soldaten auf dem Sowjet einen historisch bedeutsamen Beschluss durch, mit dem sie die Revolution in den riesigen Raum vorantreiben konnten. Mit ihm konnten sie alle Aktionen zur Zerschlagung des zaristischen Kommandos in der Armee begründen. Der Befehl Nr. 1 vom neu gegründeten Petrograder Sowjet der Arbeiter- und Soldatendelegierten gab allen aktiven Gruppen an der Front und im Lande ein Papier an die Hand, mit dem sie den Kommandoapparat und die ausübende Gewalt rechtmäßig stilllegen und sich selbst ermächtigen konnten.1 Mit dem Dokument wurden die bisherigen Aktionen als unumstößlich rechtmäßige festgeschrieben, und gleichzeitig eine Perspektive für die nächsten umwälzenden Schritte eröffnet – sowohl für die Soldaten gegenüber ihren Vorgesetzten an der Front und wie auch für die Kasernen überall im Lande. An der Front hieß es zunächst, die hergebrachten Formen des unmenschlichen Befehlsjargons abzuschaffen. Es wurden Absprachen für eine Art Mitbestimmung getroffen, die von den Unteroffizieren und freundlich gesonnenen jungen Offizieren getragen wurden. Befehlen unbeliebter Vorgesetzte wurde nicht gefolgt, sie wurden diskutiert und in Frage gestellt.2 In den Kasernen auf dem Land ging es gleich sehr viel heftiger zur Sache, indem die Soldaten die Befehlshierarchie weitgehend außer Kraft setzten. Die einfachen Soldaten schrieben so Anfang März 1917 auf dem Hintergrund der gemeinsamen militanten Massenaktionen die Geburtsurkunde für einen basisdemokratischen Gesellschaftsumbau, wie es sie in dieser Tragweite nicht viele in der Weltgeschichte gibt. Sie liest sich so:

An die Garnison des Petrograder Militärbezirks! An alle Soldaten der Garde, der Armee, der Artillerie und der Flotte zur unverzüglichen und genauen Ausführung, an die Arbeiter Petrograds zur Kenntnisnahme!

Der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendelegierten hat beschlossen:

1. In allen Kompanien, Bataillonen, Regimentern, Batterien, Schwadronen, in allen Dienststellen der verschiedenen militärischen Verwaltungen sowie auf den Schiffen der Kriegsflotte sind unverzüglich Komitees aus gewählten Vertretern der Mannschaften der oben aufgezählten Truppenteile zu wählen.

2. Alle Truppeneinheiten, die ihre Vertreter in den Sowjet der Arbeiterdelegierten noch nicht gewählt haben, sollen auf jede Kompanie einen Vertreter wählen. Diese Vertreter haben mit einer schriftlichen Bestätigung am 2. (15.) März, um zehn Uhr morgens, im Dumagebäude zu erscheinen.

3. In allen politischen Angelegenheiten untersteht jeder Truppenteil dem Sowjet der Arbeiter- und Soldatendelegierten und seinen Komitees.

4. Die Befehle der militärischen Kommission der Reichsduma sind nur in den Fällen auszuführen, wenn sie zu den Befehlen und Beschlüssen des Sowjets der Arbeiter- und Soldatendelegierten nicht in Widerspruch stehen.

5. Alle Arten von Waffen, wie Gewehre, Maschinengewehre, Panzerautos usw., müssen sich in den Händen und unter Kontrolle der Kompanie- und Bataillonskomitees befinden und dürfen unter keinen Umständen den Offizieren ausgeliefert werden, auch wenn sie dies verlangen.

6. Bei Ausübung ihres Dienstes müssen die Soldaten die strengste militärische Disziplin einhalten, aber außerhalb des Dienstes dürfen die Soldaten in ihrem politischen, bürgerlichen und privaten Leben in denjenigen Rechten keineswegs beeinträchtigt werden, die alle übrigen Bürger genießen. Der militärische Gruß außerhalb des Dienstes wird abgeschafft.

7. Ebenso wird das Titulieren der Offiziere: Exzellenz, Wohlgeboren usw. abgeschafft und durch Wendungen wie: Herr General usw. ersetzt. Grobes Verhalten, unter anderem das Duzen gegenüber den Soldaten wird verboten. Von jeder Übertretung dieser Anordnung sowie über alle Missverständnisse zwischen Offizieren und Soldaten sind letztere verpflichtet, ihre Kompaniekomitees in Kenntnis zu setzen.

Dieser Befehl ist in allen Kompanien, Bataillonen, Regimentern, Batterien und anderen militärischen Einheiten zu verlesen.

Der Petrograder Sowjet der Arbeiter- und Soldatendelegierten.“3

Damit waren nicht nur fürs Militär, sondern auch für alle weiteren Gesellschaftssektoren in der Stadt und auf dem Land die Weichen für den großen Umbruch, auf Revolution, gestellt.

* * *

Dass zu dieser Zeit im März 1917 keine großen Parteiführer in der Stadt war, kein Lenin, kein Trotzki und auch viele andere später wichtigen Politiker_innen nicht, war kein Problem für die neue Massenbewegung, sondern eher umgekehrt. Spontane Führung entstand in den Aktionen und in den Versammlungen, gleichwohl spielten erfahrene Leute und auch die politische „Intelligentsia“ eine wichtige Rolle. Die Bewegung als Ganze war nicht „spontan“, wie aus dem Nichts entstanden, sondern auf dem Hintergrund langjähriger Erfahrungen von Widerstand und Politisierung, die sich im Krieg über vielfältige Wanderungen schon im ganzen Land verbreitet hatten, als Erfahrungsaustausch zirkulierten und nicht auf die Metropolen beschränkt waren. Schon vor dem Krieg war die Land-Stadt-Wanderung der entscheidende Transportweg für Informationen aller Art, nun waren noch die Fahrten zur Front und zurück hinzugekommen. 4 Die Gewalt von Polizei und Militär außer Kraft zu setzen war das gut begründete erste Ziel jeglicher Aktion, weil damit erst die Voraussetzung geschaffen wurde, dass die Menschen ihre sozialen Bedürfnisse gegen Erniedrigungen aller Art gegen Krieg, für die Abschaffung der Todesstrafe und für die „ersten Lebensmittel“ frei und ohne Zensur zum Ausdruck bringen konnten. Auf der Straße verbrüderten sich Frauen und Männer gegen die Reichen, Staatsbeamten und höheren Offiziere, um den mit purer Gewalt aufrechterhaltenen sozialen Abgrund zwischen oben und unten endlich zu beseitigen. Nun würde man schnellstens zu akzeptablen Verkehrs- und Umgangsformen und sozialer Gleichheit unter allen Menschen kommen. Zur Massenkommunikation sagt Figes: „Es war, als ob die Menschen auf der Straße plötzlich durch eine weites Netzwerk von unsichtbaren Fäden miteinander verbunden wären, und das war es auch, was ihren Sieg gewährleistete.“5 Ohne das überholte Kommando der herrschenden Klasse würde man den Krieg beenden, die Ernährung sicherstellen und eine neue Ordnung von den Menschen her bauen. Hier fand die Initialzündung statt und entstand die Hoffnung, die dem 20. Jahrhundert ihren Stempel aufdrückten. Für die spätere Verdrehung der revolutionären Inhalte konnten die aufständischen Massen nichts. Im Verlauf dieser Revolutionstage kamen etwa 1500 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Offiziere, v.a. auch Marineoffiziere.

 

7.2. Ausbreitung der Revolution auf dem Land

Nach der Februarrevolution in Petersburg breitete sich die Nachricht vom Sturz des Zarenregimes je nach dem Stand von Verkehrsverbindung, Presse- und Morseverkehr langsamer oder schneller aus. Manchmal dauerte es mehrere Wochen bis sich die Sensation herumgesprochen hatte. In einigen Gegenden gelang es den Machthabern, die brisante Neuigkeit eine kurze Zeit lang zu unterdrücken.6 Wie in Petersburg traten russlandweit die Soldaten in Aktion, die an den Knotenpunkten des Verkehrs und des Kommandos die jeweiligen befehlshabenden höheren Offiziere und Gouverneure entmachteten. In vielen Provinzstädten schritten Bauernsoldaten der örtlichen Garnisonen zur Aktion, manchmal gab es Tote, wie z.B. Altrichter über die Revolution in der Provinz Twer berichtet.7

Bei den Bauern herrsschte große Aufregung über den Sturz des Zaren. Sie realisierten, dass der Fall des alten Regimes große Segnungen für sie bedeuten könnte. Schnell reagierten sie auf die Nachrichten aus Petersburg und beriefen sofort Dorfversammlungen ein, um die neue Lage zu diskutieren und Resolutionen über eine ganze Reihe nicht nur örtlicher, sondern auch allgemeinpolitischer Themen zu verabschieden. Wo immer die Nachrichten eintrafen, mal früher, mal später, brachen Euphorie und Freude aus.8 Die Versammlungen waren anders als vor 1914, sie waren allgemeinpolitisch geworden und umfassend in den Themen: verhandelt wurden das Schicksal der Zarenfamilie, die Zukunft des Krieges und die Haltung der Kirche, die Rechte der Gutsbesitzer und die Preise für Nahrungsmittel, die aktuellen Verantwortlichkeiten für die Unterbringung von Kriegsgefangenen und Flüchtlingen, die Zwangseintreibung von Getreide, wie sie von Seiten der Regierung erzwungen wurde bzw. werden sollte.9 Mit dem Sturz des Zaren war das Zeichen für das kommende Kriegsende gegeben – endlich war absehbar, dass nun bald die Ehemänner, Brüder und Söhne aus der aktuellen strengen Winterkälte der Front zurück in den Schoß der Familie kommen würden.10 Auf Grund der revolutionären Bewegung nahmen Desertion und Fraternisierung mit den feindlichen deutschen Soldaten weiter zu und gingen in Richtung Selbstauflösung der Armee im Laufe des Jahres. Da die Bauern Erfahrungen als Wanderarbeiter_innen aus vielen städtischen Kämpfen hatten, – die Abend- und Sonntagskurse der diversen linken Parteien hatten auch ihre Spuren hinterlassen – konnten sie diese auf dem Lande anwenden und mit ihren örtlichen Erfahrungen im Umgang mit der Obrigkeit verbinden. Zusätzlich strömten Soldaten mit Fronterfahrungen zurück. Nun würden sie sich auf ihre eigenen Organe auf der untersten Ebene in der Gemeinde stützen und damit die Grundprinzipien sozialer Gleichheit der obschtschina in Arbeit und Ernährung zum Maßstab für die gesellschaftliche Neuordnung machen. Am 15. März, zwei Wochen nach dem Umsturz in der Hauptstadt wurden z.B. in Kostroma Beschlüsse auf einer größeren Bauernversammlung gefasst – inwieweit Bäuerinnen dabei waren, ist nicht bekannt -, die eine völlige Umstrukturierung der staatlichen Verwaltung auf Regierungs-, Gouvernements- und Kreisebene forderten sowie allgemeine Neuwahlen auf demokratischer Grundlage.11 Eine Machtübertragung an bekannte alte Größen und Gremien wie in Petersburg an die provisorische Regierung wurde abgelehnt. Alle Organe müssten von unten her demokratisiert werden, sonst würden die revolutionären Ziele der Bevölkerung aus den Augen verloren. Die Leute fürchteten, von selbsternannten neuen Repräsentanten betrogen zu werden.

Kostroma war typisch für ein sozial gemischtes Gebiet, zu dem auch Iwanowo, das russische Manchester, Zentrum der Textilindustrie, oder die schöne Stadt Jaroslawl, nicht weit davon entfernt, gehörten. Diese Kreisstädte lagen in der weiteren Peripherie Moskaus. Wanderarbeit war hier schon lange verbreitet und damit auch einige Einflüsse aus der Fabrikagitation in der Großstadt. Mehr oder weniger weit entfernt von den Metropolen Petrograd und Moskau bildeten sich z.B. in Kostroma wie überall im Lande autonome Strukturen heraus, die repräsentativ für die Arbeiterbauern in der Provinz waren und gut informiert eine neue Art der Stadt-Land-Verbindung und des gerechten Austausches in Selbstverwaltung herstellen wollten. Dass dieser Tausch aus der Sicht der Herrschenden ein illegaler Schwarzmarkt war, weil er die staatlichen Kontrollen unterlief, steht auf einem anderen Blatt. Ohne diesen massenhaften informellen Handel der sog. „Sackleute“ wäre die Versorgung der Städte in der sich zuspitzenden Hungerkrise überhaupt nicht möglich gewesen.12 Das Getreidemonopol des Staates war keine Lösung, weil es nicht funktionierte und funktionieren konnte. Keine der Regierungen konnte es durchsetzen, weder unter dem Zaren, noch die Provisorische Regierung, noch der leninistische Kriegskommunismus. Trotz energischer Kontrollen zur Zeit des Bürgerkriegs war z.B. die Versorgung Moskaus mit Brotgetreide zu mindestens 50 Prozent vom selbstorganisierten Handel abhängig. Erst Stalin setzte später auf unvorstellbar grausame Art die Totalkontrolle gegen die Bauernautonomie durch, der dann folgerichtig Millionen Menschen (1932/33) durch Hunger zum Opfer fielen.13

Das konkrete praktische Vorgehen war im Prozess der Revolution erst mal sehr vorsichtig, man/frau wusste ja nicht, ob sich die neue Macht in der Stadt würde halten können. So gingen Dorfversammlungen und Komitees schrittweise vor, ersetzten die alten Verantwortlichen nicht völlig, sondern stellten ihnen neue Leute an die Seite. Zuerst entmachteten sie die Hauptfunktionäre des alten Regimes vor Ort, die zemskie nachalniki, die Land-Kapitäne, eine Art Kreisgouverneure, die man in Deutschland Landrat nennen würde. Nach ein paar Wochen änderte sich das dann, und man schritt zu Verhaftungen oder weiteren Absetzungen. Die Bauern verweigerten Abgaben, aus denen die alten Amtsinhaber bezahlt wurden. Gleichzeitig erwogen sie die Möglichkeiten für weitere Aktionen.

Die örtlichen Versammlungen wiesen häufig die Pläne des Prinzen Lwow und der Provisorischen Regierung zurück. Viele fürchteten zu Recht, dass sich im unmittelbaren Alltag nichts ändern würde, dass nur die alte Unterdrückungsstrukturen umbenannt werden würden. Das ganze Jahr 1917 und 1918 bis zum Bürgerkrieg war davon bestimmt, dass sich die Abgeordneten der Bauern aus den Dorfversammlungen mit den verwaltungstechnisch übergeordneten Kreistagen etc. herumschlugen, um ihr Recht auf Inbesitznahme des (aristokratischen oder großbürgerlichen) Gutsbesitzes festzuschreiben. Orlando Figes hat diese Auseinandersetzung wegweisend für das Wolga-Gebiet aufgearbeitet.14

Ein neuer sozialer und politischer Raum entstand, den die bislang Unterdrückten nun selbst auf der Grundlage des hergebrachten kollektiven Landbesitzes und der abwesenden Eigentumskultur mit eigenen Gestaltungen füllen konnten. Dementsprechend schritten sie zur Tat.

7.3. Die Aktionen der Bäuerinnen und Bauern –
die dezentrale Sozialrevolution

Die Literatur über die konkreten Aktionen der Bauern ist immer noch überschaubar, es gibt nicht so viele regionale Untersuchungen in deutscher oder englischer Sprache, die ins Detail gehen. Ein Klassiker ist das Buch von Altrichter aus dem Jahr 1984, ich gebe hier einen größeren Abschnitt wieder:15

„Gerüchte über den Sturz der Regierung, die Abdankung des Zaren und die Ermordung des Gouverneurs erreichten das Dorf schon Anfang März. Doch klüger geworden durch die polizeilichen Strafaktionen nach der ersten Revolution (von 1905-07), warteten die Bauern ab, bis sie Gewissheit hatten. Im April wurden nur aus drei (von zwölf) Land­kreisen [im Gouvernement Tver] Bauernunruhen gemeldet. So hatten die Bauern auf den Besit­zungen des Grafen Sollogub (im Bezecker Landkreis) den Verwalter und die Angestellten verjagt und auf dem Gut Mikulino (im Staricaer Land­kreis) die Äcker enteignet und die Beschäftigten entlassen. Nicht weit da­von wurden Kriegsgefangene, die auf Gütern zur Feldarbeit eingesetzt waren, von den Bauern nach Hause geschickt. Im Staricaer und Ostaskover Landkreis, beide im waldreichen Westen gelegen, verhinderten die Bauern den Abtransport von Holz; es war hier in großer Menge als Brennstoff für Fabriken geschlagen worden und wartete auf die Verflößung8. Als ob ihr Beispiel Schule gemacht hätte, leisteten wenig später Bauern im Bezecker Landkreis Widerstand, als ein Wald, den der Fürst Mescerskij an das Handelshaus Gebrüder Gurevic verkauft hatte, gerodet werden sollte. Im Mai beschwerte sich auch die Fürstin Sachovskaja bei der neuen Regierung, die Bauern hätten die Rodung eines bereits verkauften Waldes verhindert. Die in diesem Fall eingeleiteten Nachforschungen ergaben, daß die Bauern den Wald oder einen Teil davon als eigenen, angestammten Besitz betrachteten9.

Seit Mai/Juni häuften sich – vornehmlich im Landkreis Vysnij Volocek – die Fälle, daß Bauern Gutsbesitzerland unter den Pflug nahmen und mit der Aussaat begannen. Der Großgrundbesitzer Bažanov protestierte bei der Gouvernementsleitung und forderte Abhilfe: Die Bauern hätten sein Land genommen, seine Wiesen gemäht und den Preis dafür selbst festgelegt; aus Furcht vor weiteren Repressionen habe er darauf verzichtet, selbst auszusäen, und er fände im Dorf auch keine Arbeiter mehr, die dies für ihn tun würden10. Im Bežecker Landkreis teilten drei Dörfer die Besitzungen eines gewissen V. Bogial‘-Gonnes unter sich auf und zwangen den Verwalter, geleistete Zahlungen zurückzuerstatten11.

Unruhe hatte bis zum Sommer alle Landkreise erfaßt, und Rechtsbrüche waren zur Massenerscheinung geworden. Im Ostaskover Landkreis machten sich mehrere Dörfer über die Besitzungen N. Protopopovs her und zwangen die Gutsverwaltung, ihren Dienst zu quittieren12. Im Zubcover Landkreis nahm ein volost‘-Komitee, ohne lange zu fragen, dem Großgrundbesitzer Krylov das Ackerland und die Wiesen weg13. Im Landkreis Bezeck mähten die Bauern die Wiesen des Maria-Verkündigungs-Klosters ab, und Bauern aus den Landkreisen Bezeck und Torzok teilten sich die Wiesen und Weiden der Großgrundbesitzerin Žukova. Die Gutsarbeiter der Žukova wurden mit Gewalt daran gehindert, ihre Tätigkeit fortzusetzen, und das volost‘-Komitee belegte die Eigentümerin obendrein mit Steuerauflagen; für den Fall der Zahlungsverweigerung wurden ihr Zwangsmaßnahmen angedroht14. Im Staricaer Landkreis konfiszierten die Bauern Wiesen und Weideland des Gutes Vrasskij, und im Gestüt Ballas erzwangen sie mit amtlicher Unterstützung, daß die Besitzerin einen Teil der Weideflächen weiterhin an Bauern verpachten mußte – um die Hälfte des bisherigen Preises15. Im Tverer Landkreis erlaubte ein volost‘-Komitee den Bauern von Dmitrovo die Nutzung von 139 ha Kirchenland – ohne vorherige Rückfrage bei der Eigentümerin. Und die Großgrundbesitzerin Gorbatova (aus dem Landkreis Ves’egonsk) beschwerte sich beim Gouvernementsexekutivkomitee, daß die Bauern ihr Weide und Winterfeld enteignet hätten; Proteste bei den örtlichen Amtsstellen seien ergebnislos geblieben16. In einem Teil des Staricaer Landkreises schließlich forderten die Bauern Ende August, der Bauernrat solle nach schlechter Ernte die Überschüsse der Reichen registrieren, bevor sie nach außerhalb verkauft werden konnten; die lokalen Erntevorräte würden nur für zwei bis drei Monate reichen17.

Die Unruhen setzten sich in den Herbstmonaten fort, wenngleich die Übergriffe auf Ackerland und Wiesen nun etwas zurückgingen. Dafür vermehrten sich die Nachrichten über Plünderungen der Wälder. So wandte sich die Großgrundbesitzerin M. A. Sevenard aus dem Staricaer Landkreis Mitte Oktober an die Gouvernementsleitung, endlich den Raubrodungen in ihrem Wald ein Ende zu setzen, alle Eingaben an örtliche Stellen seien vergeblich gewesen18. An die gleiche Stelle wandte sich auch der Gutsbesitzer Sergeev: Die Bauern holten sich aus seinem Wald selbst am hellichten Tage, was sie nur tragen könnten, Klötze, Stämme, Schwellen und Wurzelstöcke, und bedrohten ihn mit Totschlag und Brandstiftung19. Überrascht werden diese und ähnliche Nachrichten in der Gouvernementsleitung kaum haben. Schon Anfang des Monats hatte ein Geheimschreiben vermeldet, daß die Abholzerei im Staricaer Landkreis zur Massenbewegung geworden sei und die verantwortlichen Stellen nicht die geringsten Anstalten machten, dagegen einzuschreiten20. In anderen Landkreisen war die Lage ähnlich, und die Aktionen richteten sich nicht allein gegen die verhaßten Großgrundbesitzer. So klagte die Verwaltung der Rjazan‘-Ural-Eisenbahngesellschaft, daß die Bauern auch in ihrem Wald (im Korcevaer Landkreis) an die 2000 Bäume gefällt hätten; stelle sie Wachen auf, so drohe man dort mit Lynch-Justiz21. Von der allgemeinen Lage gibt die Kriminalstatistik des Ves’e-gonsker Landkreises für den Monat September eine Vorstellung: Sie verzeichnete 1 Mord, 20 Gewaltverbrechen (von der Körperverletzung bis zum Raub), 18 Fälle von Selbstjustiz (mit Übergriffen auf fremdes Eigentum), 8 Pferdediebstähle, 45 .normale‘ Diebstähle, 14 Brände (offenbar mit dem Verdacht auf Brandstiftung) und 1 Flucht aus dem Gefängnis22.

Trotz dieser Zahlen – im ganzen überrascht die Friedfertigkeit der Tverer Entwicklung. Nachrichten über blanke, brutale Gewalt in den dörflichen Auseinandersetzungen sind selten. Anderswo – wie etwa an der mittleren Wolga – liefen die Kämpfe blutiger ab23, doch auch dort sollten spektakuläre Aktionen und Ereignisse nicht täuschen. Pogrome und Plünderungen, Ausbrüche blinden Hasses gegen Menschen und Sachen, machten insgesamt nur einen kleinen Teil der Bauernunruhen aus. Meist wußten die Bauern sehr genau, was sie wollten: das Nutzungsrecht an Wald, Wiesen und Weiden sowie am Ackerland, ganz gleich, ob der Boden adeligen Gutsbesitzern, dem Staat, der Kirche oder Klöstern gehörte.24

Ähnlich beschreibt Arthur Delano DuGarm die Vorgänge in der Provinz Tambow.16 Ein neuer Provinzkommissar wurde bestellt, der alle Rechte eines bisherigen Gouverneurs haben sollte. Als erstes wollte dieser die Polizei reformieren, wozu er eine Freiwilligen-Miliz aus Freunden der Revolution bilden lassen wollte. Derweil setzten schon die Soldaten selbst unpopuläre Offiziere in Tambow und Lipetsk ab, manchmal gab es Schläge und Verhaftungen. Die Soldaten entwaffneten die Polizei, befreiten politische Gefangene und bildeten Sowjets. Die oberen Gesellschaftskreise schauten hilflos zu, wie die Polizisten freiwillig die Waffen abgaben und höhere Beamte freiwillig ihre Büros räumten. Es gab keinen Respekt mehr für Amtspersonen. Nach diesen ersten Geschehnissen in der Stadt fingen die Bauern an zu handeln. Sie fällten Bäume auf den nahegelegenen Gütern, die sie dringend wegen der Kälte in diesen Monaten benötigten. Dann ging es schon um neue Landverteilung, die Bodenflächen der Güter wurden unter die Ortsansässigen aufgeteilt und man besorgte so bald als möglich die Frühlingsaussaat für die erste Ernte. Im März fing es langsam an, aber schon im April verdoppelte sich die Anzahl der „Übernahmen“ von Herrensitzen und -ländereien. Eingaben der Landbesitzer in Petrograd beschreiben die Lage aus ihrer Sicht als Chaos und beschuldigen die Regierung wegen ihrer Untätigkeit, während die Bauern rauben und niederbrennen würden.17 Jedoch war es anders: Die Landnahmen der Bauern gingen wohlorganisiert, planmäßig und demokratisch auf Dorfebene abgestimmt, also gar nicht chaotisch, unbehindert weiter. Damit war der Moment gekommen, in dem die neu von oben bestellten Organe der Prov. Regierung die unabhängigen Bauernversammlungen und die Ergebnisse von deren Aktionen anerkennen mussten, eine sehr entscheidende Tatsache, wenn es darum geht, zu bestimmen, von woher die Dynamik der Revolution kam, wer die Inhalte setzte und die eigentliche Macht ausübte. Auf dem Land waren keine Bolschewiki präsent, aber ähnlich wie in Petrograd war der Sommer die Zeit entscheidender Klärungsprozesse über die Machtverhältnisse.

Während die provisorische Regierung auf Zwischenlösungen und Kompromisse setzte, sogar die Todesstrafe wiedereinführen wollte, um den Krieg fortsetzen zu können, spielte sich der Machtkampf von unten, also der reale revolutionäre Prozess, in der direkten Aktion ab: Verweigerung und Desertion an der Front, Streiks und Demonstrationen in der Stadt, Lebensmittelrevolten in den Marktorten und umfassende Bauernbewegung mit Inbesitznahme der Güter auf dem Lande. Wie waren diese Aktionen untereinander verbunden, etwa durch die Parteiorganisationen und deren Propaganda? Oder war es vielmehr die Selbstorganisation auf dem Hintergrund des Gerechtigkeitsverständnisses der Menschen, das die Geschichte vorantrieb? Welche Gerechtigkeitsvorstellung war das, die binnen Kurzem die gesamte Eigentumsstruktur des Landes umkrempelte, ohne dass ein Sterbenswörtchen über Kommunismus bei den Bauern bekannt war? Inwieweit griffen die Aktivitäten der Roten Garden in Petersburg gegen eine erneute Kriegsmobilisierung mit den Bauernaktionen ineinander? Ich gehe davon aus, dass bis Mitte 1918 Parteien und Institutionen nachvollziehen mussten, was aus der dezentralen selbstbestimmten Praxis von Bauern/Arbeiter_innen/Soldaten an Neuem geboren wurde. Allerdings darf die Rolle der aktiven Information und Mobilisierung durch alle Parteien in dieser Aufregung der Revolution natürlich nicht weggelassen oder unterschätzt werden. Welche Begrifflichkeit ist dieser Subjektivität angemessen? Mit welchem „Weltbild“ von unten das zu tun hat, ist eine komplizierte Frage, weil es kein feststehendes gab, aber dennoch Werthaltungen, die im Ostslawentum eine sehr sehr lange Tradition haben. Allgemein kann man den Umschlag in ein „revolutionäres“ Bewusstsein bei den „Massen“ natürlich feststellen, das aber noch lange nichts mit dem bekannten Theorien des Marxismus zu tun haben muss, eher sehr besonders und konkret war.

Wie in Tambow passierte es an vielen Orten. Die Abläufe waren je nach Region und Dorf leicht verschieden, aber im Ergebnis ähnlich. Figes beschreibt den typischen Verlauf:18

Zu einer vorbestimmten Zeit läuteten die Kirchenglocken, und die Bauern versammelten sich mit ihren Karren mitten im Dorf. Dann fuhren sie in Richtung Herrenhäuser los wie eine Bauernarmee, bewaffnet mit Gewehren, Mistgabeln, Äxten, Sicheln und Spaten. Der Gutsbesitzer und seine Verwalter wurden, wenn sie nicht schon geflohen waren, verhaftet oder zumindest gezwungen, eine Resolution zu unterzeichnen, die alle Forderungen der Bauern erfüllte. Im Frühjahr waren diese Forderungen in der Regel noch ziemlich maßvoll: eine Senkung des Pachtzinses, die Neuverteilung der Kriegsgefangenenarbeit, der obligatorische Verkauf von Getreide, Werkzeug und Vieh an die Gemeinde zu Preisen, die den Bauern als »fair« galten. Zur massenhaften Konfiszierung von Adelsland kam es nicht vor dem Sommer. Die meisten Bauern waren immer noch bereit zu warten, bis die Provisorische Regierung ein neues Bodengesetz erließ, das die Güter auf sie übertragen sollte, genauso wie sie einst gewartet hatten, daß der Zar ein »Goldenes Manifest« erließ. Sie scheuten sich, die Güter anzugreifen, ehe sie sicher sein konnten, daß nicht das alte Regime wiederhergestellt werden würde wie 1906/07 mit den darauffolgenden Massenexekutionen von Bauern. Faktisch erhielten die Bauern erst Anfang Mai mit der Ernennung des Sozialrevolutionärs Tschernow zum Landwirtschaftsminister eine solche Ga­rantie, und von diesem Zeitpunkt an wurde die völlige Konfiszierung der adligen Güter zu einer landesweiten Erscheinung. Anfang Mai begann auch die sommerliche Anbausaison. Wenn die Bauern die Felder der Adligen im Herbst abernten wollten, mußten sie sie jetzt pflügen und säen.
Die wachsende bäuerliche Militanz hatte viel mit der Rückkehr von Soldaten zum Osterurlaub – faktisch Deserteure von der Armee – zu tun. Die Bauern-Soldaten führten häufig die Märsche gegen die Herrenhäuser an. … Sie setzten die Herrenhäuser in Brand, um die Adligen zu vertreiben, zertrümmerten die landwirtschaftlichen Maschinen (die in jüngster Zeit die bäuerliche Lohnarbeit weitgehend überflüssig gemacht hatten), schafften den Inhalt der Scheunen auf ihren Karren weg und zerstörten und verwüsteten mutwillig alles, was nach Reichtum roch, wie Gemälde, Bücher oder Skulpturen.“

Ebenso beschreibt Gill den Verlauf. Wo sich die Dörfer gemeinsam auf den Weg zu den Herrensitzen gemacht hatten, wurde alles Brauchbare mitgenommen, Pferde, Vieh, Maschinen und Werkzeuge und was es an nützlichem Mobiliar gab.19 Die dort wohnenden Personen mussten abreisen. Dann wurde fieberhaft Holz geschlagen, ins Dorf gebracht, verteilt oder in Depots bewacht. Die Kontrolle über Wälder wurde von der Dorfgemeinde übernommen, die entweder selbst die Bäume für den Gebrauch zu Hause fällte oder es als Brennholz in die Städte verkaufte. Der staatliche Gebrauch für die Armee oder die Eisenbahn wurde häufig unterbunden, um dem privaten Verbrauch Vorrang zu gewähren. Ebenso Getreide. Das passierte in großen Teilen Russlands. Wütende Ausfälle gegen einzelne Personen waren selten, oft wurde den Eigentümern freigestellt, sich als normale Bauern in die Gemeinde einzufügen. Im Umgang mit den nun ehemaligen Gutsbesitzern gab es keine festen Regeln, es wurde unterschiedlich verfahren. Meist wurde ihnen ein relativ groß bemessenes Stück gelassen, sehr detailliert wurden Geräte und Tiere aufgelistet, die er behalten konnte, eben um sein Land weiterhin zu bestellen wie andere auch. Auch sonst bekam er die Rechte anderer Dorfangehöriger.

Eine weitere Taktik bestand in der heimlichen Übernahme, in der Störung des normalen Funktionierens der herrschaftlichen Landgutes in der Annahme, der Eigentümer würde das Land dann freiwillig übergeben und den Bauern überlassen. Dazu wurde der Eigentümer einfach daran gehindert zu pflügen, zu säen oder zu ernten oder die Wiese zu mähen. Oder den Eigentümern wurde eine Frist gesetzt, in 10 Tagen mit der Ernte fertig zu sein und danach würde das Land dann allen zur Verfügung stehen. Des Weiteren wurden alle Lohnarbeiter_innen auf den Gütern aufgefordert, sich zu entfernen, besonders solche, die nicht aus der Gegend stammten,- im Zweifelsfall auch mal festgenommen. Oder es wurden exorbitante Löhne festgelegt, die von den Landbesitzern nicht gezahlt werden konnten.

Neben den direkten Aneignungsaktionen wurden halblegale Formen praktiziert, bei denen die Pachtgebühren gesenkt oder von den neuen örtlichen Körperschaften formell abgeschafft wurden. Dann wurde Land in Pacht genommen, das vorher nicht erhältlich gewesen war.

Die Gemeinden verteilten nicht nur das Land der Gutsbesitzer, sondern auch sonstiges Privatland. Vor allem kämpften sie darum, die Ergebnisse der Stolypischen Reformen rückgängig zu machen. Sie führten auch das Land von kleineren Privatbauern in die Gemeinde zurück. Das waren diejenigen „Abtrünnigen“, die sich nach der Stolypin’schen Privatisierungspolitik mit Zahlen zwischen 16 bis über 40 Prozent aus der gemeinsamen Landverteilung verabschiedet hatten, um ihr Landstückchen dauerhaft zu behalten. Diese Art von „Privatisierung“ sollte die individuelle Eigentumsbildung in Gang setzen, um damit langfristig ein ländliches Unternehmertum wie in Westeuropa zu schaffen. Das Projekt war in den Gemeinden umstritten und wurde unter heftigen Konflikten in der Revolution wieder zurückgedreht, weil die Gemeinden nun das gesamte Land neu verteilten. Nach dem Oktober geschah das unter neuen Bedingungen mit riesigen Flächengewinnen auch offiziell, aber das Land reichte immer noch nicht für die vielen neuen Leuten aus, die in den Dörfern dazugehören wollten, obwohl sie schon länger ihre Landansprüche im Dorf hatten ruhen lassen. Die Stolypinsche Privatsierungspolitik war der Versuch gewesen, „endlich“ einen ländlichen Kapitalismus, die individuelle Monetarisierung und unternehmerisches Denken überhaupt in Gang zu setzen. Wie das an der Basis angenommen wurde, ist wissenschaftlich umstritten, was an den vielfältigen und nicht leicht fassbaren Strategien liegt, die das Dorf auf Grund seiner eigenen „Bevölkerungsexplosion“ und angesichts der sozialen Angriffen des Kapitals erfunden hatte.20 Nun jedenfalls wurden die Aussiedler aus der Gemeinde wieder zurückgeführt in die Umverteilungsverhältnisse, was viel größere Konflikte als mit den – sozial isolierten – Gutsbesitzern mit sich brachte und sich noch bis 1918 hinzog.21 Einzelne sog. Abtrünnige wurden vor die Dorfversammlung zitiert, moralisch heftig unter Druck gesetzt, manchmal auch physisch fertig gemacht. Dies ist ein ganz wesentlicher Aspekt der sozialen „Wiedergeburt“ der Umteilungsgemeinde, die Marx voraussah. (Umteilungsgemeinde, „Obschtschina“, Umverteilungsgemeinde, Feldgemeinschaft und „Mir“ bezeichnen denselben Sachverhalt) und er weist für 1917/18 auf die Unhaltbarkeit der lenininistischen Klassenanalyse zur sozialen Schichtung im Dorf hin: der russische Landegalitarismus war stärker, als es die leninistische Theorie vom Klassenantagonismus zwischen Dorfarmut und Kulaken suggeriert. Schon gar nicht treffen westliche Theorien über die weltweit universelle Tendenz zur marktförmigen Vereinzelung auf Grundlage des Privateigentums zu. Es ist genau umgekehrt: nur in Europa wurden im Frühmittelalter die Voraussetzungen für eine Individualisierung und Sachverhältnisse – in Anschluss an das römische Recht – statt Personalverhältnissen über Eigentum geschaffen, sonst nirgendwo (die chinesischen Verhältnisse kenne ich nicht genug, aber Markt und Eigentumsverhältnisse sind auch dort nicht deckungsgleich gewesen) Die Klassenverhältnisse der Mehrheit der russischen Bevölkerung wurden lange Zeit in der bürgerlichen Geschichtsschreibung des Westens und im Marxismus-Leninismus der KPdSU nicht verstanden. Erst seit der Wiederentdeckung der Forschung von Chayanov und dem Startschuss von Teodor Shanin22 wurde die eigentlich angemessene Klassenperspektive der russischen Bauernrevolution und des linken Flügels der sozialrevolutionären Partei und dessen Vorgängerorganisationen seit 1861 (die Narodniki-Tradition) wieder ins richtige Licht gesetzt. Eine sozialhistorische Rekonstruktion hat aber bislang nur für Teilausschnitte stattgefunden und ist noch im Fluss, unterschiedlich je nach der politischen und geschichtsphilosophischen Einstellung der Autoren*innen.

Der Prozess der Selbstverständigung, in dem in gemeinsamer Aktion und nach eigener Rechtsauffassung revolutionär verabredet wurde, wie es im Dorf und Gesellschaft weitergehen sollte, brauchte Zeit. Welche Rechte sollten und mussten auch gegenüber der nächsthöheren Verwaltungsebene des Landkreises oder der Provinz durchgesetzt werden? Orlando Figes beschreibt diese Auseinandersetzungen ziemlich ausführlich und kommt zu dem Ergebnis, dass auf dem Land bis mindestens Mai 1918 eine Selbstregierung des Dorfes bestand, die sich gegenüber den Mittelklasse-Komitees in den Städten durchsetzte, anders herum gesagt, dass sich weder alte noch neue Kontrollstrukturen gegenüber dem Dorf durchsetzen ließen. Wie sollte das auch geschehen? Institutionell kennt man nur das Landdekret von Lenin vom Oktober 1917, es wird aber zeitlich eingerahmt von Basisbeschlüssen, die seit Mai 1917 von Bauerndelegierten und Sozialrevolutionären auf dem ersten Bauernkongress23 und im Januar 1918 bei der ersten Landgesetzgebung24 von der Partei der Linken Sozialrevolutionäre formuliert, getragen und verabschiedet wurden, alles auf dem Hintergrund und in Übereinstimmung mit der Bauernautonomie, der realen Aneignungspraxis als realer revolutionärer Größe. Der rote Oktober war gerade auch in dieser Hinsicht Ausdruck eines Einfangmanövers, eine politische Maßnahme, um Kontrolle über die auf dem Land autonom gestalteten Gesellschaftsverhältnisse wiederzugewinnen.

Je nach Region unterschieden sich die Aneignungsformen. Im Schwarzerdegebiet25 wo es am meisten Landbedarf gab und gleichzeitig viele Herrensitze, dort war die Übernahmewelle stärker, als in den bevölkerungsärmeren Gebieten des Südens (Zaryzyn) , in denen auch die Bodenqualität eher nicht so gut war.

Die Bewegung war unregelmäßig, schwoll an und ab, je nach der Abfolge von bäuerlichen Tätigkeiten und Notwendigkeiten, hatte also ihren eigenen jahreszeitlich bedingten Rhythmus. z.B. nahmen vor der Ernte die Landnahmen zu. Zweitens nahm die Bewegung zu und wurde auch radikaler, je mehr Soldaten von der Front heimkehrten; die heimkehrenden Soldaten waren dann führend.26

 

* * *

7.4. Rolle der Dorfversammlung

Die Gemeinde, die sich in der Dorfversammlung zusammenfand organisierte die direkte Aktion: sie war der wichtigste organisatorische Fixpunkt auf dem Lande und auch in ganz Russland im Verlauf des Bürgerkrieges. In ihr wurde das Weltbild der Bauern reproduziert und revolutionär erneuert.27 In der Tradition der Dorfversammlung hatten die Bauernarbeiter*innen in der Stadt ein Vorbild für die Bildung von Komitees und Räten, sie brauchten „Sowjets“ nicht politisch zu neu zu erfinden, sie waren in Kleinform schon immer vorhanden. Anders ist auch kaum zu erklären, worin das übergeordnete Selbstverständnis zur eigenen Organisation und die Akzeptanz zwischen den über hunderttausend Dörfern, der Stadt und den Soldaten in der Armee bestand. Sonst hieße die Sowjetunion auch nicht Sowjetunion Die Idee kam als Erbstück vom Dorf.

Als ehemaliges Verbindungsglied zwischen Bauern und Grundherrschaft war die Dorfversammlung der Ort, an dem entschieden wurde, nach dem Motto: Es war unser Herr, und das hier ist unser Land. Die Untertanen eines ehemaligen Grundherrn betrachteten nur sich und niemand anderen als befugt, hier über die Gestaltung der Landflächen zu entscheiden. Falls mal zwischen den Dörfern Unklarheiten entstanden, wurde auf die Vorgeschichte zurückgegriffen, zu welchem Grundherrn die Bewohner_innen während der Leibeigenschaft gehört hatten.

Die Landnahme spielte sich so ab, dass das ganze Dorf beteiligt war, selbstverständlich beteiligt werden musste, weil die Neuverteilung der Landflächen und ehemals herrschaftlicher Ressourcen alle Bewohner_innen des Dorfes anging. Die neu angeeigneten Landflächen wurden in die Gesamtfläche des Dorfes integriert und gemeinsam verwaltet, also je nach familiären und sonstigen Bedarfen aufgeteilt. Goehrke schreibt als entschiedener Gegner jeder Romantisierung oder Hochjubelung der Umverteilung, geschweige denn Revolution, folgendes: „Nicht in einer Auflösung des Mir und in einem privatwirtschaftlichen Farmertum sah man den Weg in die Zukunft, sondern in einer Ausweitung des Bodenfonds der Gemeinde, insbesondere durch Aneignung der restlichen Gutsländereien. Dies trug dazu bei, dass die Bauern der zunehmenden Verflechtung mit der Ausssenwelt nicht nur passiv und resignierend gegenüberstanden, sondern auch ihrerseits in die Offensive gingen.“28

Dies war der real-existierende „Kommunismus“ und ohne diesen jahrhundertealten „Dorfkommunismus“ hätte die marxistische Propaganda in der SU nie eine Chance gehabt. An ihm musste sie sich in den Symboliken und der Art ihrer Ansprache ausrichten. Auch Lenin knüpfte gegen seine eigenen Überzeugungen taktisch in der Initialphase des Oktobers an dieses dorfkommunistische Vorverständnis der Bauern an, indem er mit seinem Landdekret die Führung propagandistisch an sich riss, ein taktisches Zugeständnis mit der Perspektive einer „feindlichen Übernahme“. Auf dem Lande spielte parallel zu den städtischen Umsturzaktionen die eigentliche soziale Hauptmusik, die viel tiefer ging und nicht so leicht zurückzuschrauben war, wie die Macht der Fabrik- oder Stadtteilsowjets.

In den Sowjets sollte es nach der Vorstellung der Bauernarbeiter*innen und der Landgemeinden um eine Verschränkung gehen, also eine Verbindung in einem basisdemokratischen Austausch über die Ressourcenverteilung zwischen Stadt und Land. Das hätte vor allem gehießen, dass die Preisverhältnisse, die „terms of trades“ zwischen Agrar- und Industrieprodukten gerecht, also angemessen nach jeweiliger Arbeitsleistung zu sein hätten. So stützte sich dieses Sowjetmodell auf eine in der Gesellschaft verankerte sozialrevolutionäre Perspektive, manche würden sie eine anarchistische nennen, und bot auf diese Weise auch eine Grundlage für ein antiimperialistisches Entwicklungsmodell auf dem Globus. Dazu gehörten zuallererst demokratische Beteiligung der Bauern Bei den Arbeiter*innen war das in der Stadt viel leichter und durch die sozialdemokratische Theorie und Parteiorganisation in der Arbeiterinnenbewegung längst ein Selbstgänger, was für die Bauern nicht galt. Die Gründe für die Spaltung liegen m. E. ziemlich einfach im Fortschrittsverständnis einer marxistisch fehlgebildeten Intelligensia des Westens, die nur von der technologischen Vorherrschaft der Stadt her dachte: die unökologischen Folgen sind heute in der Umweltkatastrophe der Welt als Folge sichtbar. Da waren die Bauern in Russland weiter: universelle, direkte, gleichberechtigte und geheime Abstimmungen – , so heißt es z.B. in dem Beschluss in Kostroma.29 Diese Idee, die soziale Gleichheit von der Umverteilungs-Landkommune her auf die Fabriken und die Gesellschaft zu übertragen, war das, was Karl Marx in seinem Brief an Vera Sassulitsch meinte, als er schrieb, dass die Dorfgemeinde „der Stützpunkt der sozialen Wiedergeburt Russlands“ sei:

„Die im ‚Kapital‘ gegebene Analyse enthält also keinerlei Beweise – weder für noch gegen die Lebensfähigkeit der Dorfgemeinde, aber das Spezialstudium, das ich darüber getrieben und wofür ich mir Material aus Originalquellen beschafft habe, hat mich davon überzeugt, daß diese Dorfgemeinde der Stützpunkt der sozialen Wiedergeburt Rußlands ist; damit sie aber in diesem Sinne wirken kann, müsste man zuerst die zerstörenden Einflüsse, die von allen Seiten auf sie einstürmen, beseitigen und ihr sodann die normalen Bedingungen einer natürlichen Entwicklung sichern.“30

 

* * *

 

 

 

7.5. Soziale Revolution als Prozess

Ab Sommer wurde die Bauernbewegung radikaler.31 Die Bewegungen wuchsen, die Fieberkurve stieg durch den Zustrom von Bauernsoldaten, die aus der Armee desertierten und sich als „Agitatoren“ betätigten, die Bewegungen dynamisierten sich, indem sie sich regional weiter ausbreiteten, schwungvoll neue soziale Realitäten schufen und radikaler wurden. Im Kontrast dazu enttäuschten die Politiker der Hauptstadt, da sie den Krieg sogar noch weiterführen wollten, statt ihn zu beenden; die Ernährungsfragen konnten sie nicht lösen; sie brachten auch nicht zügig eine verfassungsgebende Versammlung zustande, deren Aufgabe es hätte sein sollen, im Rahmen einer neuen Verfassung eine neue Landgesetzgebung zu entwickeln und die geschaffenen Fakten anzuerkennen. Der rechte Flügel der Sozialrevolutionären Partei, aber auch viele Honoratioren in anderen Parteien hielten ihre Versprechungen nicht ein, was den politischen Gegensatz verschärfte und vorerst den Bolschewiki Zulauf brachte, deren Führung sich, von der soldatischen Basis getrieben, verbalradikal an die Spitze des Protestes stellte.

Am Wichtigsten im übergeordneten politischen Bereich waren die zögerlichen Diskussionen auf dem ersten Bauernkongress im Mai 1917 in Petrograd, die sich, soweit es den rechten Flügel der Sozialrevolutionären Partei betraf, im Gegensatz zur realen Praxis der Bauern befanden, während der linke Flügel (die spätere Partei der Linken Sozialrevolutionäre) die Aneignungspraxis unterstützte und sich vermischt mit örtlichen Aktiven zur landesweiten Sprecherin der Bauernbewegung entwickelte. Zum Wechselspiel zwischen Dorfversammlungen und der politischen Sphäre mit den Sowjets auf Kreis-, Bezirks und Gouvernementsebene enthält die Grundlagenarbeit von Orlando Figes über das Wolgagebiet eine Menge.32 Unter dem Strich konnten sich die lokalen Bauernversammlungen und Dorfräte auf den höheren Ebenen nicht nur Gehör verschaffen, sondern – dank ihrer ungebrochenen militanten Praxis – auch durchsetzen. Figes spricht von ungezählten regionalen „Bauernregierungen“ mit zig Unterkomitees, eigener Polizei usw. Trotzki berichtet in seiner Geschichte der russischen Revolution ausführlich und farbig von konkreten Aktionen und Problemen des Dorfes in der Zuspitzung ab September33:

Klar war, dass die Bauern die Kontrolle über die eigene Produktion nicht aus der Hand geben wollten und würden, schon gar nicht gegenüber dem staatlichen Getreidemonopol, das ebenfalls im Mai 1917 nach vielen verschiedenen Anläufen schon unter dem Zaren nun eingeführt wurde und das unter Lenin ein Jahr später dann erst rigoros zur Anwendung kommen sollte. Damit ist nach der unmittelbaren Inbesitznahme auch schon das nächste Kampfterrain der Bewegung benannt, nämlich der Umgang mit und vor allem die Preisgestaltung bei demjenigen Getreide, das den Eigenbedarf überstieg und zur Versorgung von Armee und vor allem auch der Städte benötigt wurde. Daran zerbrach die zeitweilige linke Einheit zwischen Kommunisten_innen auf der einen Seite und linken Sozialrevolutionären und der Basisbewegung der Bauern auf der anderen Seite im Mai 1918.

 

 

1Er basierte wie das spätere Land-Dekret von Lenin im Oktober auf den autonomen Aktionen im Massenkampf, nicht umgekehrt, auf irgendwelchen Plänen der Führungen.

 

2Näheres dazu: Allan K. Wildman, The End of the Russian Imperial Army. The Old Army and the Soldiers Revolt (March-April 1917) Princeton/New Jersey 1980.

 

3https://de.wikipedia.org/wiki/Befehl_Nr._1_des_Petrograder_Sowjets#cite_note-1 Näheres zur Entstehung bei Wildman, I, 182 ff.

 

4Der Frage der Politisierung, der sozialen Bedürfnisse und ihren Kommunikationsformen im Rahmen der materiellen Kultur Russlands soll weiter unten noch aufgegriffen werden.

 

5Als karnevaleske Umkehrung der gesellschaftlichen Hierarchie haben einige Historiker die Stimmung und die unmittelbaren Aktivitäten charakterisiert: Figes, Tragödie, 344-349.

 

6Gill, 20.

 

7Altrichter, Bauern, 24

 

8Figes, Peasant Russia, 32 ff

 

9Figes, Peasant Russia, 32.

 

10Das sahen der Adel und die Oberschicht natürlich ganz anders, sie meinten, nach dem Sturz des Zaren könnte das Volk nun geeint werden und mit neuer Kraft gegen die Deutschen kämpfen. Douglas Smith (2014): Der letzte Tanz. Der Untergang der Russischen Aristokratie. Frankfurt/M.: Fischer-Vlg., 127.

 

11Graeme J. Gill (1979): Peasants and Government in the Russian Revolution, London and Basingstoke: Macmillan Press, 28.

 

12Ausführlich dazu unten im Kapitel 10.

 

13Die Einzelheiten bei: Mauricio Borrero (2003): Hungry Moscow. Scarcity and Urban Societyin the Russian Civil War 1917-1921, New Yort etc.: Peter Lang ; Lars T. Lih (1990): Bread and Authority in Russia, 1914-1921, Berkeley, Los Angeles, University of California Press. Zum Bauernkrieg des Leninismus/Stalinismus: Andrea Graziosi (1996): The Great Soviet Peasant War. Bolsheviks and Peasants, 1917-1933, Cambridge/Mass.: Ukrainian Research Institut. Zum sog. Holodomor ist die beste Kurzdarstellung. Nicolas Werth, The Great Ukrainian Famine of 1932-33, Online Encyclopedia of Mass Violence, [online], published on 18 April 2008, URL: http://www.massviolence.org/The-1932-1933-Great-Famine-in-Ukraine (29.10.15) Eine deutsche Übersetzung kann bei info at materialien.org angefordert und zugeschickt werden.

 

14Orlando Figes (1989): Peasant Russia, Civil War. The Volga Countryside in Revolution (1917-1921), Oxford: Clarendon Press.

 

15Helmut Altrichter (1984): Der Bauern von Tver. Vom Leben auf dem russischen Dorfe zwischen Revolution und Kollektivierung. Sonderausgabe. Mit einem Vorwort von Lew Kopelew, München: R. Oldenbourg Verlag, 25-28.

 

16Arthur Delano DuGarm (1998): Grain and Revolution: Food Supply and Local Government in Tambov, Russia (1917 – 1921), (Diss.) Stanford University (UMI Microform 9901491).

 

17Dugarm, 26.

 

18Figes, Tragödie, 389.

 

19Nach Gill, 40 ff.

 

20Dazu: S. A. Smith (2011): „Moral Economy“ and Peasant Revolution in Russia: 1861 -1918, in: Revolutionary Russia, 24:2, 143-171; und die neueren Ausführungen bei Hildermeier, Geschichte Russlands, und Goehrke, Russischer Alltag. Eine reine Verelendungssituation, also „Hungerexport“ wie früher angenommen, gab es nicht, sondern enormen Stress und Diversifizierung im Überlebenskampf.

 

21Zu den sog. Separators, also den privatisierten aus der Umteilungsgemeinde ausgeschiedenen Bauernhaushalten: Orlando Figes, Peasant Farmers and the Minority Groups of Rural Society: Peasant Egalitarism and Village Social Relations during the Russian Revolution (1917-1921), in: Esther Kingston-Mann and Timothy Mixter (Ed.). With the Assistance of Jeffrey Burds (1991): Peasant economy, Culture, and Politics of European Russia, 1800-1921. Princeton, NJ: Princeton Univ. Press, 378-401, hier: 383-386.

 

22Angaben siehe Literaturverzeichnis.

 

23Der „Allrussische Sowjet der Bauerndeputierten“ trat einmal vor der Oktober Revolution in der Zeit vom 04. bis 28. Mai 1917 in Petersburg zusammen. Es waren 1115 Delegierte aus den regionalen Versammlungen und Räten gewählt worden, davon 537 Sozialrevolutionäre, 136 ohne Parteizugehörigkeiten, noch mal 329 mit unbekannter Zugehörigkeit; 103 Sozialdeokraten (Menschewiki und Bolschewiki) 6 Partei der Arbeit (Trudoviken) und 4 Volkssozialisten.( Gill, 121; Altrichter, 1917, 359; William Henry Chamberlin (1958): Die Russische Revolution 1917 – 1921. Erster Band, Frankfurt/M.: Europäische Verlagsanstalt. (Orig. in Englisch, 1935, London: Macmillan), 228.

 

24Häfners Darstellung ist äußerst wichtig und interessant, wie die bäuerlichen Gemeindevorstellungen in Vorschriften zur Sozialisierung gefasst wurden, die in diametralem Gegensatz zu den Verstaatlichungswünschen der Bolschewiki standen. Lutz Häfner (1994): Die Partei der linken Sozialrevolutionäre in der russischen Revolution von 1917/18, Köln etc.: Böhlau, 283-330.

 

25https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzerde

 

26Figes, Peasant Russia, 48f.

 

27Zu den Verhältnissen im Dorf anschaulich: Carsten Goehrke (2003): Russischer Alltag. Eine Geschichte in neun Zeitbildern. Band 2: Auf dem Weg in die Moderne, Zürich: Chronos-Verlag. Zur Gemeindeversammlung: 243-252

 

28Goehrke, a. a. O., 252.

 

29Gill, 28.

 

30Karl Marx, [Brief an V. I. Sassulitsch] MEW, Bd. 19; S. 242 f. Internet: http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_242.htm ; Siehe auch die drei Entwürfe: Karl Marx, [Entwürfe einer Antwort auf den Brief von V. I Sassulitsch], in: MEW. Band 19, 4. Auflage 1973 S. 384-406. Internet: http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_384.htm (04.10.15)

 

31Gill, 110 ff.

 

32Orlando Figes (1989): Peasant Russia, Civil War. The Volga Countryside in Revolution (1917-1921), Oxford: Clarendon Press, 35, 36, 45 ff.

 

33Leo Trotzki (1973, 1982): Geschichte der russischen Revolution. Zweiter Teil: Oktoberrevolution. 1. Halbband. Frankfurt/M: Fischer TB 6630, 692-720.